Das Ausgleichen der Doshas kann als eine
natürliche Ordnung gesehen werden: wenn diese
Ordnung gestört ist, dann kommt etwas aus dem
Gleichgewicht und es entsteht Unordnung. Die
Gesundheit ist Ordnung, die Krankheit Unordnung.
In einem Organismus besteht eine konstante
Interaktion und ein ständiger Wechsel zwischen
Ordnung und Unordnung, Gleichgewicht und
Ungleichgewicht.
Falsche Gewohnheiten,
Lebensstil, Ernährung, Stress und emotionale
Unterdrückung können der Grund sein, dass die Doshas
eines Individuums aus dem Gleichgewicht kommen; diese
“verschlechtern sich” und leiten eine Veränderung im
Stoffwechsel und in der Physiologie der Gewebe ein, was
zur Produktion und Anstauung von Ama oder Giften führt.
Diese Gifte kommen in den Blutkreislauf und verteilen
sich im ganzen Organismus und blockieren somit die
Kanäle, die laut dem Ayurveda alle körperlichen Gewebe
funktionell verbinden. Die Vergiftung wird progressiv
auf jedem Niveau (energetisch, Immunsystem, Stoffwechsel)
den Organismus beeinflussen und die Krankheit auslösen.
Jede Krankheit ist deshalb der Ausdruck einer Anstauung
von Ama oder Giften.
Der ayurvedische Arzt kann anhand der ayurvedischen
Diagnose, bei der die Überprüfung des Pulses eine
wichtige Rolle spielt, die Störung im Anfangsstadium vor
den symptomatischen Anzeichen feststellen und kann
deshalb auch vorbeugen, indem er spezifische Angaben
hinsichtlich besserer Lebens- und Ernährungsgewohnheiten
sowie zu Heilmitteln macht, damit das psycho-physische
Gleichgewicht, das wir benötigen, um gesund zu bleiben,
wieder hergestellt wird.
Die Behandlungstechniken der ayurvedischen Medizin sind
viele und umfassen Verfahren, um sowohl den Körper als
auch den Geist und die Beziehungen mit der Umwelt wieder
ins Gleichgewicht zu bringen.
Kurz
kann man eine Reihe von Verfahren angeben:
Körper: Ernährung,
Einsatz von Heilpflanzen, äußerliche körperliche
Behandlungen wie Massagen (abyangam) mit Ölen
und besonderen Techniken, entgiftende Therapien
generell unter dem Begriff Panchakarma bekannt,
Reinigungstechniken und Asana Yoga;
Sinne: laut dem Ayurveda kommt ein
Ungleichgewicht von einem falschen Einsatz der
Sinne. Deshalb werden alle Behandlungen wie Aroma, Musik, Wahrnehmen der Geschmäcker der
Speisen, Raum, Form und Farben, taktile und
Kontaktstimulationen in Erwägung gezogen, die
darauf hinzielen sollen, die Sinne als präzise
therapeutische Antwort anzuregen;
Verhalten: zu verstehen als das, was uns mit der
Umwelt verbindet, ohne jegliche moralische
Beziehung, und zum Beispiel den psycho-physischen Lebensrhythmus wie tägliche
Uhrzeiten, den Ablauf der Jahreszeiten und den
Rhythmus der Natur im allgemeinen betrifft;
Geist: im Ayurveda liegt die Betonung auf dem
natürlichen Schutz des Geistes und seiner
Prozesse als Schlüssel des individuellen
Gleichgewichts und empfiehlt verschiedene
Methoden wie Meditationstechniken und Yoga;
Umwelt: Ayurveda identifiziert in der Umwelt die
Quelle der sinnlichen Stimulationen, die unser
Gleichgewicht bestimmen können und sieht deshalb
eine sorgfältige Untersuchung des Umfeldes laut
der vedischen Wissenschaft, die Vastu heißt (in
ihren Idealen dem chinesischen feng shui ähnlich),
vor.
Ayurveda ist
deshalb in Wirklichkeit mehr als eine einfache Medizin,
vielmehr ist es eine Lebensrichtung im Zeichen der
Regelmäßigkeit und der Harmonie des Lebensstiles, was in
seinen drei hauptsächlichen Bestandteilen ausgedrückt
wird, d.h.: Aktivität, Ernährung und Ruhe.
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