Antonio Paoli, Dozent für Theorie, Technik und
Didaktik der Fitness und der Physiologie –
Studiengang der Bewegungswissenschaften,
Universität zu Padua Adrian Sgarabottolo, Dozent für die Didaktik der
Fitness – Studiengang der
Bewegungswissenschaften, Universität zu Padua
Der Nackenbereich der
Wirbelsäule ist wie ein Pfeiler, der unseren Kopf hält,
wie in der Mythologie bei Atlas, der auf seinen
Schultern die Erdkugel trägt; kein Zufall, dass der
erste Wirbel deshalb Atlaswirbel genannt wird. Der
Nackenbereich (bestehend aus 7 Halswirbeln, neben 12
Brustwirbeln und 5 Lendenwirbeln) muss zwei Aufgaben
erfüllen, die im Gegensatz zueinander stehen: das
Gewicht des Kopfes halten und gleichzeitig die Bewegung
für die grundlegende Funktion des Sehvermögens
ermöglichen. Eine so komplexe Struktur ist
notwendigerweise von verschiedenen Krankheiten
betroffen, sowohl von akuten als auch von chronischen.
Generell können wir
von Nackenschmerzen sprechen, das heißt von
Schmerzen, die im Bereich der oberen Wirbelsäule
anzusiedeln sind. Diese Schmerzen können von
verschiedenen Gewebeschichten verursacht werden:
von den Knochen, der Haut, von tiefergehenden
körperlichen Strukturen (Bandscheibe) oder von
den Muskeln.
Letztgenanntes ist der häufigste Grund für
Nackenschmerzen. In der Tat ist die Veränderung
der Funktionalität der Halsmuskeln, wie man sie
bei Nackenverspannungen oder bei heftigen
Kopfschmerzen finden kann, ein sehr häufiger
Befund.
Ein heftiger und langer Einsatz dieser Muskeln, der
in entstellten Positionen aber auch in akuten
Traumata, wie dem berüchtigten „Schleudertrauma“,
begründet ist, kann Schmerzen
herbeiführen:
a)
durch starke Belastungen im Bereich der
Muskelansätze,
b) durch Entzündungen des gleichen Muskels (die
aufgrund von metabolischen Veränderungen während einer
längeren, nicht physiologischen Kontraktion entstehen),
c)Blutleere, Muskelentzündung wegen einer Verspannung
(längere statische Kontraktion des gesamten
Halsmuskelbereiches),
d)Arthritische Phänomene zu Lasten der Wirbel und der
oberen Gelenke, die eine Degeneration des Gewebes und
der Entstehung von Knochenausläufern bedingen,
e)
Veränderungen der physiologischen Kurve des
Halses wegen einer Kontraktur „zur Verteidigung“ der
grundlegenden Muskeln der Wirbelsäule als Reaktion auf
eine Beeinträchtigung von außen (Schleudertrauma). In
diesem Fall zieht sich die Muskulatur plötzlich zusammen
wie ein Mechanismus zur Verteidigung der Wirbelsäule;
solch eine Kontraktur bringt eine Verkürzung mit sich,
wenn nicht sogar eine Umkehrung der normalen Kurve des
Halswirbelbereiches, mit unnormalen Belastungen der
Strukturen der Scheiben und Bänder.
In all diesen Fällen sind
die therapeutischen Anweisungen auf Physiotherapie und
Kinesiotherapie gerichtet. Besonders letztgenannte
erweist sich als wirksam darin, ein muskuläres Netz im
Ungleichgewicht zurück zur originalen Position zu
bringen und die falsche Haltung zurückzusetzen.
Kinesiotherapie greift auf eine Folge von kodierten
Übungen zurück, die in Folge ermöglichen, eventuelle muskuläre Kontrakturen zu lösen und geschwächte Muskeln
zu stärken. Ein besonderer Aspekt der Kinesiotherapie
ist der im Wasser ausgeführte Bereich, besonders in
Thermalwasser.
Warmes Wasser oder
Thermalwasser wirkt durch zwei grundlegende
Mechanismen: der erste ist nur physisch und
folglich eine Reduktion des Gewichtes auf die
Wirbelsäule. Das Gewicht des Kopfes, auf die
Wirbelsäule drückend, wird nach dem bekannten
Gesetz von Archimedes (ein vollständig oder in
Teilen in einer Flüssigkeit untergetauchter
Körper erreicht einen direkten Druck von unten
nach oben entsprechend dem Gewicht der Masse der
umgebenden Flüssigkeit) reduziert. Der zweite
Mechanismus ist dagegen auf die physiologischen
Reaktionen unseres im Wasser und zwar
insbesondere im warmen Wasser untergetauchten
Organismus abgestimmt.
Zuerst reagiert das nach
innen und nach außen gerichtete System (die Rezeptoren,
die die Umstände an unserem Körper und seiner Umgebung
registrieren) im Wasser anders als im Trockenen, vor
allem ist der Muskeltonus verringert; solch eine
Verringerung kann dazu beitragen, Schmerzen, die in
Spastiken und Muskelkontrakturen begründet sind, zu
lösen, indem eine Reorganisation der Bewegung und der
Körperposition ermöglicht wird, die sich in einer
synergetischen Aktion mit der „Verdrängung“ der
gewohnten motorischen Schemata und typischen und von
außen herbeigeführten Reaktionen begründet. Und ebenso
geschieht die Verringerung des Muskeltonus, die in der
erhöhten Temperatur des warmen oder des Thermalwassers
begründet ist, um die schmerzhaften Kontrakturen zu
lösen. Wenn neben diesen automatischen Mechanismen
spezielle Übungen, die den Übungen im Trockenen
nachgeahmt, aber entsprechend der Wasserumgebung
abgeändert sind, durchgeführt werden, wird die Wirkung
im Sinne der Schmerzensminderung und der Rückkehr zur
Normalität erhöht. Trotzdem ist es wichtig, dass die
Ausführenden entsprechend ausgebildet sind, und zwar
nicht nur in der spezifischen Pathologie, sondern auch
in den Eigenschaften und Bedürfnissen der im Wasser
ausgeführten Übungen, die den Übungen im Trockenen
ähneln, sich aber doch von ihnen unterscheiden.
EINIGE PRAKTISCHE BEISPIELE VON EINFACHEN
ÜBUNGEN FÜR DEN HALSWIRBELBEREICH, DIE SOWOHL IM
WASSER ALS AUCH IM TROCKENEN AUSGEFÜHRT WERDEN
KÖNNEN:
A1 Den Kopf seitlich
nach links neigen und dabei gleichzeitig das
Handgelenk der rechten Hand umfassen, den
rechten Arm nach links ziehen (dabei die rechte
Schulter nach unten drücken), diese Position für
mindestens 20 Sekunden beibehalten.
Das Ziel dieser
Übung ist es, die rechte Schulter vom
entsprechenden Ohr zu entfernen und dabei die
seitliche
Muskulatur des Halses zu verlängern
(ansteigendes Bündel des Trapezmuskels)
A2 Die gleiche Übung kann in passiver Form im
Wasser mit Hilfe eines Trainers ausgeführt
werden (in diesem Fall ist der Nutzen aufgrund
des Wärmeeffektes noch größer).
B1 Selbstmassage des
Trapezmuskels und des Halsbereiches mit der
gegensätzlichen Hand.
Ziel dieser Übung ist das Entspannen der
seitlichen Muskulatur des Halses.
B2 Die gleiche Übung
kann im Wasser sowohl allein als auch mit Hilfe
eines Trainers ausgeführt werden.
Diese Übungen sind sehr einfach und jeder kann
sie selbstständig ausführen; es empfiehlt sich
dennoch die Hilfe von Personen, die für die im
Wasser ausgeführten Übungen ausgebildet sind, da
ansonsten eine fehlerhaft Ausführung eher
möglich ist.
Nackenbrause (Wasserfall):
Nackenbrause:
schließlich, ein letzter Rat für alle Gäste von
Thermalhotels und alle, die generell den Besuch
von Thermalbädern lieben:
Nackenbrausen tun den Schultern und dem Hals
sehr gut – vorausgesetzt, dass sie in der
richtigen Art benutzt werden.
Geniessen Sie deshalb den Wasserstrahl, während
Sie mit der Schulter und dem Nackenbereich unter der
Wasseroberfläche bleiben.
SOS Rückenschmerzen
Rückenschmerz ist eine unten den
häufigsten Pathologien.
Kontrakturen, falsche
Körperhaltungen, entzündliche
Prozesse der
Zwischenwirbelscheiben: es
handelt sich um vielen
Beschwerdenursachen, die oft
kronisch werden. Durch die
Ratschläge unserer Experten
entdecken Sie wie man
Rückenschmerzen bekämpft und
überwindet.
An den Thermen
zu zweit
So wunderbar wie schwer ist das
Lieberverhältnis! Versuchen wir
zu verstehen, wie es möglich zu
kommunizieren, zu verstanden
werden und sich zu entspannen
ist … möglichst im Thermalwasser
getaucht!